IVLB-Seminar: Biologische Schweinehaltung

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03. Juin 2021

Die Begrüßung machte der Präsident der Interessegemeinschaft Guy Lambert. Er erläuterte, dass die IVLB im Jahre 2009 von aktiven Landwirten gegründet wurde um die Vermarktung der Bio-Tiere zu organisieren und heute ein sehr wichtiger Akteur auf dem luxemburgischen Bio-Fleisch Markt sei. Ziele der Gemeinschaft sei es vor allem neue biologische Absatzmärkte zu finden und faire Preise für die Mitglieder zu garantieren. Heute zählt die Gemeinschaft 30 Mitglieder und sie sind die Gesichter hinter den Marken „Bio-Maufel“ und „Bio Green Beef“.

Außerdem erläuterte der Präsident, dass es sehr wichtig wäre neue biologische Schweinehalter zu finden, da es momentan an Bio-Schweinen fehlt. Es sei wichtig diese Nachfrage zu decken, da Schweinefleisch ein wichtiger Faktor in der Weiterverarbeitung von Rindfleisch ist.

Alle Interessenten der Biofleisch- Vermarktung, ob Rind, Schwein oder Schaf, können sich bei IVLB melden: info@ivlb.lu; Tel.: 621 742 250.

Herr Dr. Werner Hagmüller aus Österreich war einer der Gastredner. Er leitet das Schweineversuchswesen in Wels (Raumberg-Gumpenstein) und bearbeitet Forschungsfragen zu den Themen Haltung, Fütterung, Zucht und Management von Schweinen.

Er stellte den Teilnehmern den modularen Abferkelstall vor und erklärte als Schwerpunkt die „Welser Abferkelbucht“ und später die „WelCon-Bucht“.

„Welser Abferkelbucht“

Die Funktionsbereiche Liegen und Säugen, Fress- beziehungsweise Aktivitätsbereich und Kotplatz sind klar getrennt. Die Bucht besteht aus einer Abferkelkiste, die mit 2,00 x 2,20 Meter eine weitaus größere Liegefläche bietet als gängige Abferkelbuchten. Zum Schutz gegen Kälte ist ein Deckel aus Kokosfasern angebracht, der je nach Temperatur geöffnet oder geschlossen werden kann.

Der Fressbereich ist als schmaler Fressstand ausgeführt. Futter und Wasser können nicht in den trockenen Liegebereich gelangen. Die Zuleitungen für die Tränken im Auslauf sind als Ringleitung im Erdboden auf Frosttiefe verlegt.

Vorhänge an den zwei Längsseiten des Stalles erlauben auch an heißen Tagen eine ausreichende Belüftung. Damit wird auch die Fliegenbelastung reduziert, da Fliegen gut belüftete Orte meiden.

Zur Isolierung der Liegefläche wurde als Unterbau eine zirka 20 Zentimeter dicke Schaumglasschotterschicht eingebracht. Senkrecht verlegte XPS-Platten dämmen den Liegebereich vom restlichen Baukörper, so dass die Kälte weder vom Bediengang noch vom Auslauf in den Liegebereich übertragen werden kann.

Das Pultdach wird als Kaltdach ausgeführt und mit Trapezblech eingedeckt. Die Unterkonstruktion verhindert einen Wärmestau unter dem Blechdach und sorgt für Be- und Entlüftung.

Die Verwendung von Holz ermöglicht einen höheren Eigenleistungsanteil und stellt eine baubiologisch nachhaltige Lösung dar. Da es sich bei den Holzteilen um glatte, gut zu reinigende Dreischichtplatten handelt, gibt es auch aus hygienischer Sicht keine Bedenken.

Die Kosten liegen aufgrund der einfachen Bauweise bei etwa 9.500- 10.000€/Stallplatz.

“WelCon-Bucht“

Aus der „Welser Abferkelbucht“ wurde die“ WelCon-Bucht“ – eine Bucht für den Warmstall. Zur besseren Aufrechterhaltung der Temperatur wurde auf die zweite Auslauföffnung verzichtet. Dies erforderte einen Mechanismus im Innen-bereich, der eine Trennung zwischen Liegen und Fressen weiterhin ermöglicht. Die patentierte Trennwand erlaubt der Sau das Betreten und Verlassen des Fressstandes immer nur in einer Richtung.

Um in den Fressbereich zu gelangen, muss die Sau zuerst in den Auslauf gehen. Dort kotet/harnt sie üblicherweise und hält damit den Liegebereich sauber. Den Fressstand kann die Sau nur vom Auslauf her betreten und wieder in Richtung des Liegebereiches verlassen. Durch einen Verschlussmechanismus kann die Sau während des Fressens für eine kurze Zeit im Fressbereich fixiert werden (Buchtenpflege, Ferkelfangen). So besteht auch ein ausreichender „Personenschutz“.

WelCon leitet sich von den englischen Begriffen „welfare“ (Wohlbefinden) und „convenience“ (Komfort) ab und soll verdeutlichen, dass sowohl die Sauen als auch die Betreuer bei dieser Bucht beste Bedingungen vorfinden.

Nach dem sehr umfangreichen und interessanten Vortag stellte Herr Jean-Paul Weis von der IBLA, die Beratungsmodule vor.

Zum Schluss bekam Herr Martin Koetter Juerss das Wort und behandelte die Themen Rentabilität und Fütterung in der biologischen Schweinehaltung.